Burn, Baby, Burn!

Dass ein so genanntes „großes Turnier“ vor der Tür steht, erkennt man hierzulande eindeutig an dem vermehrten Auftreten von Schwarz, Rot und Gold. Denn nicht einmal beim Song Contest kann man so gut zeigen, dass in Deutschland „endlich wieder“ alles normal – und normal heißt flaggenschwingend – ist, wie man es beim Fußball kann. Nun will ich mich aber gar nicht lange damit aufhalten, dass schon das seit 2006 immer wiederkehrende Herausschreien der Normalität nicht auf Normalität, sondern auf Leichen im Keller verweist. Auch nicht damit, dass eine solche Normalität vielleicht gar nicht erstrebenswert ist. Stattdessen erfreue ich mich an den illustren Formen, die diese drögen drei Farben so annehmen. Zum Beispiel in der „FANtastischen“-Produktauswahl des Discounters Penny.
Diese Palette verweist auf manches. Beispielsweise auf das Glück, dass die Deutschen mit ihren Nationalfarben haben. Denn offenkundig haben sich die alt-48er seinerzeit Gedanken darüber gemacht, dass Fußballfans eines Tages ein Bedürfnis nach „Knicklichtern in Nationalfarben“ haben würden, und sich aus genau diesem Grunde für Schwarz als ein Drittel der Nationalfahne entschieden. Dieser wenig leuchtende Ton mag zunächst als Manko erscheinen, doch hat er, wenn man es recht bedenkt, gleich zwei große Vorteile. Zum einen spart die Industrie auf diese Weise wertvollen Leuchtstoff, was in diesen miesen Krisenzeiten nur gut sein kann. Zum anderen können die Deutschen so im Dunkel als Spanienfans durchgehen – und das dürfte auch schon ihre beste Chance sein, in diesem Sommer mit fußballerischem Können in Verbindung gebracht zu werden.

Spanienknicklicht mit schwarzem Griff
Spanienknicklicht mit schwarzem Griff

Die offenkundigen Mängel im deutschen Fußball scheinen jedoch auch den Marktforschern von Penny nicht entgangen zu sein. Denn gerissen, wie sie sind, wissen sie genau, dass es beim Fußball – insbesondere beim deutschen – nicht nur Grund zur Freude gibt. Daher haben sie neben Utensilien zum Feiern auch solche zur nationalen Trauer im Programm: Nationalfarben-Kleenex im Doppelpack. Denn ein Vorrunden- oder Viertelfinalaus trifft den Fan nur halb so hart, wenn sich Rotz und Wasser in zartes schwarz-rot-güldenes Papiergewebe ergießen können.

Für die deutsche Leidkultur
Für die deutsche Leidkultur

Das schönste aller Penny-Fan-Produkte ist aber ein kulinarisches: Grillwürstel in Nationalfarben. Denn in diesen kommt gleich dreierlei zusammen, das Fanherzen höher schlagen lässt: phallische Form, archaisch zubereitete Feuerkost und nationale Identität. Doch wirft dieses Produkt nicht nur Fragen nach dem guten Geschmack auf, sondern auch juristische. Schließlich ist es in Deutschland verboten, die Nationalflagge zu verbrennen – aber wo genau verläuft hierbei die Grenze zwischen Recht und Unrecht? Ist schon das bloße erhitzen über glühenden Kohlen justiziabel? Eine Knusprige Haut? Die Bräunung der Oberfläche? Oder erst der Augenblick, in dem alle Farben in ein gleichmäßiges Schwarz übergehen? Um es herauszufinden werde ich Penny vorbeugend der Beihilfe zur Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole anklagen.

Wenn sie verbrennen, kommt nicht die Feuerwehr, sondern die Polizei
Wenn sie verbrennen, kommt nicht die Feuerwehr, sondern die Polizei

Mit Hattip an Offensive Selbstverteidigung.